Interview mit VBG-Leiter Christoph Egeler und Vorstandspräsident Martin Hess

2019 hat die VBG ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Was zeigt die Geschichte, und wo seht ihr neue Entwicklungen?

Martin: Zentral für die VBG war, ist und bleibt die Auseinandersetzung mit Fragen im Spannungsfeld von Glauben und Denken im akademischen Kontext. Das ist unser Kerngeschäft. Dabei stehen persönliche Beziehungen und der Austausch mit anderen im Mittelpunkt.

Christoph: Neuere Entwicklungen sind der verstärkte Fokus auf Leiterschaftsförderung und Mentoring, sowie die konsequentere Nutzung von Social Media.

Welche Erfolge konnte die VBG im Jahr 2019 erzielen?

Christoph: Ein besonderes Highlight war das Jubiläumsfest in Bern: Eine tolle Stimmung und um die 600 VBG-ler aus allen Generationen! Einzigartig war auch der Vortrag an der ETH von Prof. Dr. John Lennox zu Glaube und Wissenschaft mit rund 800 Besucherinnen und Besuchern.

Erfolg sehe ich auch in innovativen Projekten wie dem öffentlichen «Matura-Lerntag» für Mittelschülerinnen und Mittelschüler oder im langjährigen Engagement des VBG-Fachkreises Architektur, der sein 30-jähriges Jubiläum feierte. Vieles passiert nicht zuletzt im Verborgenen, im persönlichen Leben der Menschen, in Begegnungen, Lebensentscheidungen oder im Entdecken und Entfalten von Begabungen.

Wie steht es um die Finanzen der VBG?

Martin: Die Finanzierung ist nur dank grosszügigen Spenden möglich. Dafür sind wir dankbar. Bei der VBG-Hauptkasse verzeichnen wir aber trotz 1,6 Millonen Spendenfranken pro Jahr Defizite. Diese konnten wir in den letzten Jahren durch Reserven finanzieren. Der Vorstand arbeitet nun mit der Werkleitung daran, Einnahmen und Ausgaben innerhalb des geschärften Auftrags nachhaltig ins Lot zu bringen. Bei weiterhin grosszügigen Spenden und einer Schärfung des Auftrags haben wir auch in Zukunft Handlungsspielraum bei Finanzen und Liquidität.

Wie passt da der geplante Umbau der Casa Moscia hinein?

Martin: Die Casa Moscia und das Campo Rasa können mit ihren Einnahmen die direkten Kosten finanzieren, nicht aber grössere Unterhaltsprojekte oder Erneuerungen. Dazu braucht es jeweils eine gesonderte Finanzierung. Zudem geht es beim Projekt «Moscia 2022» um mehr als Renovation. In Moscia macht das Kurs- und Ferienangebot der VBG 20-25% der 22’000 Übernachtungen im Jahr aus. Moscia ist für viele VBG-Freunde ein wichtiger Meilenstein ihrer persönlichen und geistlichen Biographie. Die Weiterführung der Casa Moscia über das Jahr 2022 hinaus ist eine Chance für die ganze VBG. Aufgrund der baulichen Situation und der behördlichen Rahmenbedingungen gibt es aber nur zwei Möglichkeiten: Verkauf oder umfassende Sanierung von Infrastruktur und Zimmertrakt. Vorstand und Werkleitung erarbeiten nun ein entsprechendes Konzept, zudem läuft das Fundraising für den Umbau.

Gibt es besondere Entwicklungen im Umfeld der Mittelschulen und Hochschulen?
Wie sind die Auswirkungen für die VBG?

Christoph: Gerade in den letzten ein, zwei Jahren mussten wir die Erfahrung machen, dass Aktivitäten von VBG-Gruppen unter Berufung auf die «religiöse Neutralität» von Bildungsinstitutionen nicht bewilligt wurden. Das ist nicht nur schmerzlich, sondern auch verfa­ssungsrechtlich problematisch. Durch persönliche Gespräche und die Zusammenarbeit mit ähnlich ausgerichteten Partnern wie der Hochschulseelsorge haben sich viele Türen wieder geöffnet. Nichtsdestotrotz planen wir für die kommenden Monate einen Vorstoss, um im Hinblick auf die rechtlichen und philosophisch-weltanschaulichen Aspekte mehr Klarheit zu schaffen.

Wie ist die Situation bei den angestellten Mitarbeitenden?

Christoph: Ich darf mit grosser Dankbarkeit sagen, dass wir ein sehr tolles Team beisammen haben, mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen. Wir stellen aber fest, dass die Besetzung von vakanten Stellen nicht immer einfach ist.

Welche Themenfelder waren für den Vorstand 2019 wichtig?

Martin: Wir haben mit der Überarbeitung und Schärfung des Auftrags der VBG begonnen, das war ganz klar das wichtigste Geschäft. Mit gezielten Massnahmen sind wir zudem dabei, schrittweise Strukturen zu schaffen, die es den VBG-Mitarbeitenden mittelfristig ermöglichen, noch mehr Zeit für Beziehungen und ihr Kerngeschäft einzusetzen.

Positiver Jahresabschluss

Die drei VBG-Kassen (Hauptkasse, Casa Moscia und Campo Rasa) weisen konsolidiert ein leicht positives Betriebsergebnis aus. Der Abschluss ist dank guter Ergebnisse in Rasa und Moscia insgesamt deutlich besser als in den vorangegangenen Jahren.

Der VBG-Vorstand hat 2019 entschieden, auf das Führen freier Fonds zu verzichten und diese per 31.12.2019 aufzulösen. Dies führt zu einer veränderten Darstellung der Kennzahlen. Neu wird – analog zur FER-Berichterstattung – das Betriebsergebnis (d.h. laufende Einnahmen minus laufende Ausgaben) veröffentlicht. Die bisherigen freien Fonds wurden in das erarbeitete freie Kapital überführt. Statt wie in den vergangenen Jahren reduzieren sich bei Defiziten nicht mehr die nicht zweckbestimmten Fonds, sondern das Organisationskapital.

Hauptkasse: Budgetiertes Minus

Die Hauptkasse umfasst die Bereiche Schule, Studium und Beruf, sowie die zentralen Dienste. Das Betriebsergebnis ist leicht negativer als budgetiert (minus CHF 80’118, budgetiert minus CHF 70’000). Die Summe der erhaltenen Spenden ist jedoch erfreulicherweise insgesamt stabil.

Casa Moscia und Campo Rasa positiv

Die Betriebsrechnung der Casa Moscia weist mit CHF 25’083 (Vorjahr minus CHF 109’591) ein positives Ergebnis aus. Ebenso das Campo Rasa mit einem positiven Ergebnis von CHF 68’966 (Vorjahr plus CHF 12’743). Die bisher angefallenen Aufwendungen und Erträge des Umbauprojektes Moscia 2022 wurden bei den aufgeführten Betriebszahlen der Casa Moscia zur besseren Lesbarkeit für das Berichtsjahr ausgeklammert (insbesondere direkte Spenden).

Jahresabschluss nach FER21

Bei den aufgeführten Diagrammzahlen handelt es sich um eine vereinfachte Darstellung der Abschlusszahlen nach FER21. Der vollständige Jahresabschluss nach FER21 kann beim VBG-Sekretariat bestellt oder eingesehen werden. Vereinsmitglieder erhalten den Abschluss mit den Unterlagen zur Mitgliederversammlung direkt zugestellt.