Heiliger Schein

Mitten in Auschwitz ein Aufleuchten Christi

Am 29. Juli 1941 wurden im Konzentrationslager Auschwitz beliebig zehn Häftlinge ausgewählt, um in einer Zelle im berüchtigten Block 11 zu Tode gehungert zu werden. Dies war die Abschreckungsmethode von SS-Hauptmann Karl Fritzsch, um Fluchtversuche zu vergelten. Einer der zehn zum Tode verurteilten war Franciszek Gajowniczek, Ehemann und Vater von zwei Söhnen. Als die Wahl auf ihn fiel, brach er in Tränen aus und flehte um Gnade. Darauf meldete sich Häftling Nr. 16670 und bat Hauptmann Fritzsch, dass er den Platz des Familienvaters im Hungerbunker einnehmen dürfe. Der SS-Hauptmann gab der Bitte statt. Franciszek Gajowniczek überlebt das KZ und kehrte nach Ende des II. Weltkriegs zu seiner Ehefrau zurück.
Ein Leben für ein Leben
Diese Geschichte ist nicht nur von verschiedenen überlebenden Häftlingen bezeugt, sondern wird auch heute noch bei Führungen im KZ Auschwitz erzählt. Eine Arbeitskollegin aus der VBG begegnete der Geschichte vor einigen Monaten auf diese Weise. Sie recherchierte und fand heraus, dass der Häftling mit der Nr. 16670 Maximilian Kolbe war, ein Franziskanermönch und katholischer Priester. Dieses Detail wurde bei der Führung in Auschwitz weggelassen. Für meine Arbeitskollegin war es aber sofort klar, dass es sich bei der Person um einen Christen handeln musste. Andere KZ-Überlebende berichten, dass die zehn Verurteilten in Block 11 gemeinsam Lieder gesungen hätten. Entgegen allen Umständen überlebten Kolbe und zwei weitere Häftlinge unglaubliche 14 Tage lang und wurden letztlich von den ratlosen Wärtern mittels Giftspritzen getötet.
Die Finsternis hat es nicht erfasst
Der polnische Priester Kolbe wird in der Katholischen Kirche als Heiliger verehrt, sein Gedenktag ist der 14. August, sein Todestag. Die römisch-katholische Tradition manche Christinnen und Christen «heiligzusprechen», mag vielen fragwürdig erscheinen. Dies sei hier auch nicht begründet oder verteidigt. Was sich an Maximilian Kolbes Beispiel aber zeigen lässt, ist einer der Gründe, wieso die Katholische Kirche sündige Menschen als Heilige bezeichnet. Nicht weil sie selbst sich diesen Status erarbeitet hätten, sondern weil ihr Leben in einer Art und Weise die Form Christi angenommen hat, durch die die Heiligkeit Gottes sichtbar wurde.
Christus in euch, die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit
Im Herbst 2025 wurde im Rahmen einer amerikanisch-polnischen Filmproduktion eine eindrückliche Interpretation der letzten vierzehn Tage von Maximilian Kolbe und seiner neun Mitgefangenen vorgelegt. Im VBG-Haus zeigten wir den Film mit anschliessender Austauschrunde. Was nahm ich persönlich mit für meinen Alltag? Es gibt Momente, in denen wir in totale Dunkelheit gehüllt sein mögen und jegliche Aussicht auf ein Morgen hoffnungslos scheint. Dann ist es vielleicht an uns, einen Schritt der Liebe zu tun, einen Schritt in der Nachfolge Jesu, der das Dunkel in den Schatten stellt und Gottes Güte aufscheinen lässt. 
Johannes Tschudi  - nahm den Film sofort in seine persönliche Top-Five-Filmliste auf. Dies ist um so bedeutsamer, weil drei Plätze dieser Top-Five fix an eine gewisse Trilogie vergeben sind...
Link zum Film 
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