Interview mit VBG-Leiter Christoph Egeler und Vorstandspräsident Martin Hess

Welche Auswirkungen hatte die Coronakrise auf die VBG?

Christoph: Zahlenmässig sind wir leicht geschrumpft. Wir mussten viele Veranstaltungen und gut die Hälfte unserer Camps und Kurse absagen; Gruppentreffen fanden fast nur digital statt. Im Lockdown entstand aber auch viel Neues: So bot VBG-Mitarbeiterin Ruth Maria Michel mit ihren «Moments of Silence» zu verschiedenen Zeitpunkten eine tägliche, angeleitete Meditation über Zoom an. Und bei der «Johannes Challenge» lasen VBG-Gruppen und Einzelpersonen in den drei Wochen vor Ostern jeden Tag ein Kapitel aus dem Johannesevangelium, begleitet von Video- und Mail-Impulsen der VBG-Mitarbeitenden.

Martin: Woran messen wir Erfolg und Misserfolg bei der VBG? Es ist unser Ziel, Schülerinnen und Schüler, Studierende und Berufstätige mit höherer Bildung zu verbinden. In unseren Kurs- und Ferienzentren Casa Moscia und im Campo Rasa möchten wir Auszeiten und Glaubenserfahrungen ermöglichen. Dies alles war 2020 massiv eingeschränkt. Nur: Unsere Aufgabe ist Säen und Ernten, das Wachsenlassen liegt nicht an uns.

Wie steht es um die finanzielle Sicherheit der VBG?

Martin: Die VBG ist sehr dankbar für die treue und grosse Unterstützung mit Gebet und Spenden. Im Coronajahr 2020 mussten weder in der Hauptkasse noch in Moscia oder Rasa die bestehenden finanziellen Reserven wesentlich beansprucht werden. Dies war nur dank sehr grosszügiger, zusätzlicher Spenden für Moscia und Rasa und einer grossen Kostendisziplin möglich. Die derzeit laufende Schärfung des VBG-Auftrags soll in Zukunft zusätzlich helfen, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten.

Christoph: Wir haben in der VBG-Hauptkasse ein kleines strukturelles Defizit, welches wir idealerweise mit Mehreinnahmen und notfalls mit Sparmassnahmen auflösen möchten. Daran arbeiten wir. Die Liquidität der VBG – das gilt für die Hauptkasse wie auch für Rasa und Moscia – ist aber intakt.

Welche Themen beschäftigten die VBG-Leitung?

Christoph: Wir haben 2020 einen Strategieprozess angestossen mit dem Ziel, die VBG-Arbeit zu reflektieren, zu fokussieren und zu schärfen. Diesen Prozess werden wir in den kommenden Monaten abschliessen. Er betrifft die VBG als Ganzes sowie die einzelnen Bereiche. Ein Zwischenresultat davon ist das neue VBG-Leitbild, das wir in Kürze vorstellen möchten. Ein besonderes Ereignis war sicher auch die Fertigstellung der Planung für den grossen Umbau der Casa Moscia 2022 und die Sicherstellung der diesbezüglichen Finanzierung.

Martin: Das Anliegen der VBG wird von unseren Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen in die Schulen, Universitäten und zu Berufstätigen mit höher Bildung getragen. Dafür motivierte Personen zu finden, zu halten und zu fördern, dafür setzen wir uns ein. Es bleibt unsere wichtigste Aufgabe, diese uns anvertrauten Menschen für einen solch anspruchsvollen Auftrag zu begeistern, damit sie sich mit Freude, Kompetenz und Leidenschaft dafür einsetzen – auch für vergleichsweise geringe oder keine Entlöhnung. Mit dem beschlossenen grossen Umbau machen wir die Casa Moscia bis zum Saisonstart 2023 betrieblich fit für die nächste Generation. Dazu gehört auch die Erarbeitung eines geistlichen Konzepts.

Welche Fragen stellt ihr euch für die Zukunft?

Martin: Wir suchen nach zeitgemässen Inhalten und Formen, um unseren Auftrag auch in Zukunft zu erfüllen und die frohe Botschaft von Jesus Christus auf eine praktische und inspirierende Weise zu vermitteln.

Christoph: Mit Digitalisierung, abnehmender Verbindlichkeit, Zeitmangel und Säkularisierung werden die Rahmenbedingungen unserer Arbeit herausfordernder. Wird es uns gelingen, auch in den kommenden Jahren genügend Menschen zu erreichen? Gleichzeitig hat unser Anliegen nichts von seiner Aktualität verloren. Wir möchten Glauben, Denken und Alltag verbinden, in der Welt der höheren Bildung Gemeinschaft stiften und das Evangelium sichtbar machen. Wenn ich unsere innovativen und engagierten angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sehe, sowie die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer, die schon so lange mit uns verbunden sind, stimmt mich das hoffnungsvoll.

Ausgeglichener Jahresabschluss 2020

Die drei VBG-Kassen (Hauptkasse, Casa Moscia und Campo Rasa) weisen konsolidiert ein nahezu ausge­glichenes Jahresergebnis aus.

Hauptkasse mit kleinem Minus

Die Hauptkasse umfasst die Bereiche Schule, Studium und Beruf, sowie die zentralen Dienste (Leitung, Kommunikation, Sekretariat). Das Betriebsergebnis ist wesentlich besser als budgetiert (minus CHF 14’577, budgetiert minus CHF 48’000). Die Summe der erhaltenen Spenden ist erfreulicherweise gestiegen, und die Werkleitung beschäftigt sich intensiv damit, wie die VBG finanziell auch längerfristig auf ein stabiles Fundament gestellt werden kann.

Casa Moscia und Campo Rasa leicht positiv

Die Betriebsrechnung der Casa Moscia weist mit minus CHF 17’991 (Vorjahr plus CHF 25’083) ein leicht negatives Ergebnis aus, das Campo Rasa ein positives Ergebnis von CHF 24’727 (Vorjahr plus CHF 68’966). Somit schliessen unsere beiden Kurs- und Ferienzentren das Jahr 2020 leicht positiv ab. Bei den aufgeführten Betriebszahlen der Casa Moscia wurden für das Berichtsjahr zur besseren Lesbarkeit die bisher angefallenen Projektaufwendungen und -erträge des Umbauprojektes Moscia 2022 ausgeklammert. Das Projekt Moscia 2022 ist dank grosszügiger Spenden und Darlehen, sowie mit Hypotheken und einem Beitrag des Kantons solide finanziert.

Jahresabschluss nach FER21

Bei den rechts aufgeführten Diagrammzahlen handelt es sich um eine vereinfachte Darstellung der Abschlusszahlen nach FER21. Der vollständige Jahresabschluss nach FER21 kann beim VBG-Sekretariat bestellt und eingesehen werden. Vereinsmitglieder erhalten den FER-Bericht mit den Unterlagen zur Mitgliederversammlung direkt zugestellt.